BERGRETTER backstage - Christophorus Magazin Dezember 2015

Von Stephan Tschernutter | Fotos:  © Thomas R. Schumann, Kathrin Fuhrmann, Alex Traumann. Vielen Dank!

 

Sieben Staffeln, 44 Folgen, ein Hubschrauber - ein Blick hinter die Kulissen der erfolgreichten TV-Serie "DIe Bergretter"

Vierundvierzig Episoden der TV-Serie "Die Bergretter " wurden bereits abgedreht. Die aktuelle siebente Staffel läuft derzeit im ZDF. Seit der ersten Folge, die im November 2009 ausgestrahlt wurde, ist auch die ÖAMTC-Flugrettung mit einem Hubschrauber am Start.

Beginn. "Einer unserer Flugretter, Heri Eisl, seines Zeichens auch Obmann der Bergrettung Ramsau, wurde seinerzeit gefragt, ob der Dachstein ein geeigneter Ort für eine TV-Serie über die Bergrettung wäre, erinnert sich Robert Schornsteiner, der als einer von fünf Christophorus-Piloten für die Serie fliegt. "Der wusste natürlich, dass eine realistische Darstellung eines Einsatzes am Dachstein ohne Christophorus 14 undenkbar wäre, und hat der deutschen Produktionsfirma auch gleich die Rutsche zu uns gelegt." Es folgte die offizeille Anfrage der "neuen deutschen Filmgesellschaft" und schon bald darauf wurde die Zusammenarbeit besiegelt.

Erfolg. Wenige Wochen nach dem ersten Lokalaugenschein am Stützpunkt gab es dann auch schon ein Wiedersehen mit dem Filmteam am Drehort. Der lag in der Nähe der Südwandhütte am Fuße des Dachsteins. Der Rest ist Geschichte: Der Hubschrauber in der Serie heißt - wie im richtigen Leben - C14, die Ramsau ist auch auf dem Fernsehschirm die Ramsau. "Übrigens sind die Dreharbeiten auch ein Glücksfall für die gesamte Region", weiß der Serienpilot. "Viele besuchen den berühmten Drehort, und mittlerweile gibt es sogar eine jährliche Fanwanderung. "Heuer waren 500 Fans in Begleitung der Schauspieler auf den Spuren der "Bergretter" unterwegs. Kein Wunder also, dass die achte Staffel schon geplant ist  - und dass auch C 14 wieder dafür abheben wird.

Echt. Wer "Die Bergretter" schon einmal gesehen hat, weiß, wie realistisch es aussieht, wenn Schauspieler Robert Lohr alias Pilot Michael Dörfler den Hubschrauber "steuert". Schnitt und Aufnahmetechnik machen es möglich. In Wirklichkeit ist es aber ein bisschen anders - wer sich diese Illusion nicht nehmen lassen will, sollte hier übrigens nicht weiterlesen...

Einblick. Wenn der Hubschrauber von außen zu sehen ist, fliegt diesen niemand anderes als einer der ÖAMTC-Piloten "verkleidet" als Double. Anders bei Innenaufnahmen. "Bei Nahaufnahmen sitzt der Schauspieler am Pilotensitz, Hände und Füße an der Steuerung. Geflogen wird der Hubschrauber aber von mir oder einem meiner Kollegen", verrät Schornsteiner Details. "Wir sitzen daneben und bedienen ein Doppelsteuer, das auch im Flugunterricht verwendet wird."

Action. Der Rest der Crew besteht aus Schauspielern, die  - wenn es die Szene verlangt - z.B. gut gesichert an der offenen Tür arbeiten. Es sollte aber niemand glauben, dass das, was in der TV-Serie zu sehen ist, den wirklichen Alltag der ÖAMTC Flugrettung abbildet. Im echten Leben sind die Einsätze selten spektakulär, alles läuft wesentlich ruhiger und mit weniger "Action" ab. Übrigens kann es ganz schön eng in der Kabine werden, denn bei Innenaufnahmen sind natürlich auch Kameramann und Regisseur an Bord.

Realität. "Ein wesentlicher Punkt ist auch das Drehbuch. Das verlangt gelegentlich Szenen, die so nicht machbar sind, was dann dem Filmteam erklärt werden muss", nennt Schornsteiner eine weitere wichtige Aufgabe der Flugrettungscrew. Wenn bei einer Szene im Hochsommer laut Drehbuch vier Personen im vollgeräumten Hubschrauber sein sollen, wird das schwierig. Denn die Leistung der Maschine ist im Hochgebirge einfach begrenzt. Also muss ein Kompromiss her. "Und weil Regie und Kameramann in der Regel einmal pro Jahr wechseln, müssen solche Feinheiten immer wieder aufs Neue erklärt werden", erzählt Schornsteiner.

Vorsicht. Großes Augenmerk wird selbstverständlich auf die Sicherheit gelegt. Grundsätzlich sind die Schauspieler an der Maschine "ausgebildet". Das muss auch sein, denn viele Szenen spielen am Boden, bei laufendem Rotor. Da können schon zehn Leute mit Kameras, Ton- und Lichttechnik um den Hubschrauber herum im Einsatz sein. Dafür braucht es selbstverständlich die Aufsicht durch einen Flugretter. Auch wie für die Serie mit Taubergungen umgegangen wird, ist ein gutes Beispiel: Es gibt zwar eine "Action-Unit" mit Stunt-Leuten, aber für derartige Aufnahmen fungieren dann die Profis der ÖAMTC-Flugrettung als Double.

Helikopter. Bleibt noch die Frage, wie eigentlich der Hubschrauber auf die Dreharbeiten vorbereitet wird? "Es handelt sich dabei um eine normale Einsatzmaschine. Lediglich die Aufkleber werden entfernt, sodass der Hubschrauber ganz in Gelb erstrahlt", erklärt Schornsteiner. Auch die medizinische Ausrüstung, das Bergretter Equipment, die Helme usw. werden extra für die Aufnahmen bereitgestellt. Der Hubschrauber selbst wird während der Dreharbeiten immer wieder ausgetauscht, damit vorgeschriebene Wartungsintervalle eingehalten werden können.

© Stefan Tschernutter - Christophorus Magazin Dezember 2015. Mit Erlaubnis von RALPH SCHÜLLER |Kommunikation. Vielen Dank!